Blockseminare: Ethnopsychoanalyse, Transkulturelle Psychotherapie und Rassismuskritik

Information: Wegen der momentanen Situation der Pandemie ist die Anzahl der Teilnehmer*innen auf 15 Studierende beschränkt. Sollte es die Situation zulassen, würden wir die Blockseminare in Präsenz abhalten – selbstverständlich mit adäquatem Schutzkonzept. Bitte anmelden mit Angabe der gewünschten Veranstaltung auf info@sfpa-uzh.ch. Details, Literatur, etc. werden per Mail verschickt.

Das Studentische Forum für Psychoanalyse ist eine Plattform, die eine Auseinandersetzung mit Themen ermöglicht, die im Studium der Psychologie ausgelassen, vergessen oder gar verdrängt werden. Dies betrifft vor allem Ansätze des psychoanalytischen Denkens, denen wir uns jedes Semester in einem selbstorganisierten Lehrangebot annähern. Eine solche Auseinandersetzung kann nur kritisch geführt werden, denn die Berührungspunkte des Psychischen mit dem Politischen sind unumgänglich. So begegnen wir neben der fehlenden Vielfalt in der klinischen Ausbildung einer zweiten Schwäche des Psychologie-Studiums: Der gesellschaftliche Kontext unserer Wissenschaft und der psychotherapeutischen Arbeit bleibt über weite Strecken unbeachtet.

Wir begeben uns dieses Semester mit einer Reihen von Blockseminaren an eine Kreuzung, an der sich mehrere dieser Themen treffen. Ausgehend von der Geschichte der Zürcher Schule der Ethnopsychoanalyse bewegen wir uns in die klinische Praxis der transkulturellen Psychotherapie der näheren Vergangenheit und Gegenwart. Wir schliessen die Reihe mit einer kritischen, intersektionalen Reflexion von psychoanalytischen Ansätzen zu Rassismus und Whiteness.

Der Auftakt bildet ein Treffen, in dem eine Auseinandersetzung mit Begriffen wie Rassismus, Whiteness und White Supremacy angestrebt wird. Wir wollen uns zusammen darauf sensibilisieren, wie wir persönlich und als Gruppe über die Themen der Blockseminare nachdenken und sprechen können. Die Blockseminare können einzeln belegt werden, die Auftaktveranstaltung ist allen Teilnehmenden dringend empfohlen.

Flyer Blockseminarreihe FS21

ANTIRA WARM-UP
Samstag, 27.03.2021, 11:00-14:00 (Allen Teilnehmer*innen dringend empfohlen)
Wer spricht hier eigentlich über was? Wie funktioniert Rassismus, was verstehen wir unter (critical) whiteness? Inputs, Literatur und Übungen zur Selbstreflexion und Sensibilisierung sollen eine gemeinsame Annäherung an persönliche Erfahrungen und theoretische Überlegungen unterstützen. 

KLASSIKER DER ETHNOPSYCHOANALYSE
Nicht nur die Psychoanalyse, sondern auch ihre Verbindung mit der Ethnologie ist geschichtlich stark mit Zürich verbunden. doch worin besteht dieses Denken und Arbeiten, was lösen diese Texte heute in uns aus?

Freitag, 09.04.2021, 19:30-21:00 Ethnopsychoanalyse..?! Eine Annäherung
Wir diskutieren Texte, die uns grundlegende psychoanalytische und ethnologische Konzepte, sowie die darin liegende Haltung und Gesellschaftskritik näher bringen sollen.
Samstag, 10.04.2021, 11:00-15:00 „Die Weissen denken zuviel“: Close reading
„Die Weissen denken zuviel“ (1963) gilt als Gründungsbuch der Ethnopsychoanalyse. Wir lesen und besprechen Auszüge aus den transkribierten Gesprächen mit den Menschen aus Mali

PRAXIS DER TRANSKULTURELLEN PSYCHOTHERAPIE
Ethnopsychoanalytische Ansätze bereichern auch die klinische Arbeit mit Menschen, die Erfahrungen von Migration und Trauma mitbringen. Wir betrachten am Freitag die Geschichte eines konkreten Raums für eine solche Arbeit und besprechen am Samstag Fallvignetten von Fachpersonen aus der heutigen Praxis. 

Freitag, 23.04.2021, 19:30-21:00 Ethnopsychoanalytisches Zentrum Zürich (1995-2005)
Das Ethnopsychologische Zentrum Zürich war ein therapeutischer Übergangsraum für schwer traumatisierte Asylsuchende. Ein geschichtlicher Abriss soll uns ein Bild dieser Institution und ihrem Verschwinden vermitteln. Wo sind heute solche Räume?
Zu Gast: Heidi Schär-Sall, Ethnopsychoanalytikerin & Mitgründerin des EPZ
Samstag, 24:04.2021, 11:00-15:00 Einblicke in die klinische Praxis
Wie fliessen ethnopsychoanalytische Ansätze in die heutige klinische Arbeit ein, welche Herausforderungen stellen sich in der transkulturellen Therapie? Wir befassen uns mit konkreten Beispielen von ausgewiesenen Fachpersonen.
Zu Gast: Heidi Schär-Sall, Ethnopsychoanalytikerin & Mitgründerin des EPZ

KRITIK UND THEORIE
Es steht abschliessend ein gemeinsames Erarbeiten von Werkzeugen zum kritischen Lesen von Theorien im Vordergrund. Wo liegen revolutionäre Ansätze im psychoanalytischen Denken, was sind reaktionäre Elemente in ihrer Theoriegeschichte; Was war und ist daran auch heute noch für klinische und politische Zwecke der Transformation nützlich?

Freitag, 07.05.2021, 19:30-21:00 Postkoloniale und nicht-weisse Positionen in der Psychoanalyse
Der Film „black psychoanalysts speak“ (2014) lässt Stimmen von Psychoanalytiker*innen aus der BIPOC-Community der USA zu Wort kommen. Wir besprechen diese Perspektive auf die therapeutische Berufswelt und ergänzen sie mit Zugängen zu Freud & Co., wie sie von postkolonialen Denker*innen aufgegriffen wurde.
Samstag 08.05.2021 11:00-15:00 Whiteness – das Unbewusste der Psychoanalyse?
Wir setzen uns genauer mit Martina Tissbergers Diskussion von psychoanalytischen Erklärungsversuchen zu Rassismus auseinander. Ihr kritisches Repertoire soll unsere innerpsychoanalytische Selbstreflexion bereichern, auch im Rückblick auf die gesamte Veranstaltung.