Lesegruppe: Weiblichkeit in der Psychoanalyse–Mit Freud über Freud hinaus

Information: Bei Interesse meldet Euch mit Angabe der gewünschten Veranstaltung(en) auf info@sfpa-uzh.ch an.

 Das Studentische Forum für Psychoanalyse ist eine Plattform, die eine Auseinandersetzung mit Themen ermöglicht, die im Studium der Psychologie ausgelassen, vergessen oder gar verdrängt werden. Dies betrifft vor allem Ansätze des psychoanalytischen Denkens, denen wir uns jedes Semester in einem selbstorganisierten Lehrangebot annähern. Eine solche Auseinandersetzung kann nur kritisch geführt werden, denn die Berührungspunkte des Psychischen mit dem Politischen sind unumgänglich. So begegnen wir neben der fehlenden Vielfalt in der klinischen Ausbildung einer zweiten Schwäche des Psychologie-Studiums: Der gesellschaftliche Kontext unserer Wissenschaft und der psychotherapeutischen Arbeit bleibt über weite Strecken unbeachtet.

In dem Sinne soll dieses Semester das Thema der ‘Weiblichkeit in der Psychoanalyse’ nicht nur theoretisch beleuchtet werden, sondern auch die jeweiligen gesellschaftlichen Kontexte in Betracht gezogen werden. Aktuell findet einerseits eine Rebiologisierung des Geschlechts statt, andererseits scheint es unklarer denn je was männlich und weiblich ist. Auf diesem Hintergrund werden wir den Widersprüchen in Freuds Konstruktion der weiblichen Sexualität nachgehen und diese in Verbindung setzen mit gegenwärtigen Ansätzen der psychoanalytischen Theorie und Praxis.

 

Die Infantile Sexualität & Weiblichkeit—Sigmund Freud (1905/1925)
Freitag, 01.10.2021, 19:30–21:00,  @Universität Zürich KOL-G-220
 Freuds Aussage von der «Psychologie des Weibes», welche ihm ein Rätsel geblieben ist, als auch seine Frage «Was will das Weib?» zeigen nicht nur seine Neugier, sondern auch seine Unsicherheit mit dem Thema der Weiblichkeit. In seinen Schriften zur ‘Infantilen Sexualität’ und ‘Über die weibliche Sexualität’ illustriert Freud mit den Begriffen von Penisneid, Ödipuskomplex und Kastrationsangst, dass lediglich das männliche Wesen Ausgangspunkt seiner Theoretisierung der Weiblichkeit dient.

Weiblichkeitsdebatte in den 30er Jahren—Karen Horney (1926)
Freitag, 15.10.2021, 19:30–21:00, @Universität Zürich KOL-G-220
Dies führte bereits in den 20er und 30er Jahren zu reaktionären Gegenversuchen, die Frau nicht als Mangelwesen im Sinne eines ‘Nicht Mannes’ zu beschreiben, sondern sie aus der Perspektive der Weiblichkeit zu begreifen. Horney macht in diesem Kontext auf die männliche Perspektive der psychoanalytischen Forschung aufmerksam und begibt sich auf die Suche nach etwas spezifisch Weiblichem.

 Bisexualität und die psychoanalytische Bedeutung von ‘männlich’ und ‘weiblich’—Monika Gsell & Markus Zürcher (2011)
Freitag, 29.10.2021, 18:30–20:00, @Universität Zürich KOL-G-220
Zu Gast: Laura Wolf, Klinische Psychologin am USZ
Auch wenn nicht durchgehend konsequent, betitelte Freud in seinen Werken die Frau als passiv und den Mann als aktiv. In einem grossen zeitlichen Sprung nach vorne, fragen wir uns, wie diese unbewusste Verlötung von aktiv-männlich und passiv-weiblich zustande kommt. Um diesem Freudschen Unbewussten kritisch zu begegnen, bedienen sich die Autoren gerade an seinem vielversprechenden, triebtheoretischen Konzept von Bisexualität.

Queerfeministische Psychoanalyse—Nicole Burgermeister & David Garcia Nuñez (2015)
Freitag, 12.11.2021, 19:30-21:00, @Universität Zürich KOL-G-220
Zu Gast: Nicole Burgermeister, Psychoanalytikerin Psychiatrie Baselland
Nach dieser theoretischen Auseinandersetzung begeben wir uns mit Burgermeister und Nuñez in den Erfahrungsraum des klinischen Alltags und diskutieren auch vor dem Hintergrund aktueller Debatten aus den Gender- und Queer Studies, welche Möglichkeiten es gibt, queerfeministische Perspektiven in die psychotherapeutische Praxis zu integrieren. Thema werden insbesondere Gegenübertragungsdynamiken sein, welche Psychotherapeut*innen unabdinglich mitreflektieren müssen, um eigenen Normalisierungstendenzen in Bezug auf Geschlecht und Sexualität immer wieder kritisch gegenüberzustehen.

Weibliche und männliche Sexualität—Sophinette Becker (2021)
Freitag, 26.11.2021, 19:30-21:00, @Universität Zürich KOL-G-220
Beim letzten Lesetermin öffnen wir die Debatte der Geschlechtlichkeit im Sinne eines aktuellen, gesamthaft-gesellschaftlichen Denkens. Becker bringt psychoanalytische und sexualwissenschaftliche Klink und Theorie zusammen und stellt sie in aktuelle, politische Kontexte. Wir gehen den Fragen nach, was es in uns auslöst, in einer Gesellschaft zu leben, in welcher Geschlecht einerseits rebiologisiert wird und anderseits als beliebig veränderbar angesehen wird. Welche Konzeptionen sind hilfreich? Wie viel Veränderung braucht es? Wo finden wir Halt?